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Gemeinde Hinte

 400 Jahre Osterhuser Accord

Der Häuptling Ulrich I. Cirksena bekam 1453 Emden zu seinem Herrschaftsgebiet dazu. Somit waren die wichtigsten Landesteile Ostfrieslands unter einer gemeinsamen Regierung mit Emden als Landeshauptstadt vereint. 1464 wurde Ostfriesland Reichsgrafschaft und Ulrich I. dadurch „Graf von Ostfriesland“.

In den Nachfolgejahren entstanden viele neue Bauten und der Handel, die Schifffahrt, das Handwerk und das Kunsthandwerk spielten eine wirtschaftlich große Rolle.

Um 1600 kann man von Emden als den bedeutendsten Seehafen Nordeuropas sprechen. Der Grund dafür war, dass viele Glaubensflüchtlinge aus den Niederlanden vor den katholischen spanischen Unterdrückern sich in Emden ansiedelten. Diese Religionsflüchtlinge waren oft hochqualifizierte Kaufleute, Handwerker und Künstler.

Das Blatt wendete sich jedoch, als die Spanier besiegt und die Flüchtlinge in ihre befreite Heimat zurückkehrten.

Trotz des wirtschaftlichen Rückgangs stellte der lutherische Graf Edzard II. überspitzte Forderungen an die reformierte und parlamentarisch eingestellte Bürgerschaft und stieß auf heftigen Widerstand, der am 18. März 1595 mit der „Emder Revolution“ begann. Die Burg, die auf dem heutigen Burgplatz stand, wurde eingenommen und die Befestigung zur Stadtseite hin niedergerissen. Graf Edzard II. verlegte seine Residenz nach Aurich. Er starb 1599.

Sein Nachfolger war Enno III. Der Verfassungskampf ging weiter. 1609 führten die Emder sogar einen militärischen Schlag gegen Enno III., besetzten die Cirksenaburg in Greetsiel und die neue Residenz in Aurich und entführten das gräfliche Archiv nach Emden.

Die Emder hatten engen Kontakt zu den Generalstaaten (so wurden die von den Spaniern befreiten holländischen Gebiete zwischenzeitlich genannt). Die Generalstaaten kamen den zerstrittenen Parteien als Vermittler zu Hilfe und konnten sich gleichzeitig ein sicheres Hinterland in ihren Auseinandersetzungen mit Spanien bewahren.

So wurde am 21. Mai 1611 in einem Bauernhaus in Osterhusen der „Osterhusische Accord“ unterzeichnet.

Dieser Vertrag beendete die sehr heftigen und auch blutig geführten Auseinandersetzungen zwischen den Ständen und dem Grafen. Er sicherte den Bewohnern Ostfrieslands einen für diese Zeit vergleichsweise hohen Grad an Freiheiten. Ein ähnliches Vertragswerk gab es bis dahin weltweit noch nicht.

So wurde festgelegt:

Geschrieben wurder der Accord auf 34 Pergamentblättern, die von einer schwarzgoldenen Kordel zusammengehalten wurden. Unterzeichnet wurde der Vertrag, der in holländischer Sprache niedergeschrieben wurde, vom Grafen Enno III., vier Vertreterndes Adels (Ritterschaft), je einem  Vertreter der Städte Emden, Aurich und Norden, einem Vertreter des dritten Standes, der Bauernschaft, sowie sieben holländischen Vertretern.

In Hinte erinnert noch die Accordhausstraße an dieses geschichtsträchtige Ereignis. Ein weiteres Erinnerungsstück gehört zum Emder Silberschatz, nämlich eine prächtige Kann aus dem Jahre 1613. Das reich geschmückte Gefäß mit feinsten Zieselierungen trägt in einem Blätterkranz die Inschrift „Pacis Patriae Osterhusae Restitutae Memoria“ (Zur Erinnerung an den in Osterhusen hergestellten Frieden des Vaterlandes). Das Gefäß ist 28cm hoch und 1100g schwer. Auf dem Deckel befindet sich eine Häuptlingsfigur in mittelalterlicher Kleidung.

Das alte Accordhaus stürzte 1712 ein und wurde ein Jahr später wieder aufgebaut. Es fiel 1881 einem Brand zum Opfer. Erhalten blieb eine Inschriftentafel in niederländischer Sprache.

„Het oude Huis Waerin het Oisterhuisische Accordt Anno 1611 Opgericht is Vervallen Synd Is op des Wyse vernieut Anno 1712“. (Das alte Haus, worin der Osterhusische Vertrag im Jahre 1611 geschlossen wurde, ist, nachdem es verfallen war, auf diese Weise erneuert worden im Jahre 1712.

Eine Nachbildung dieses Steins befindet sich in einem zu diesen Feierlichkeiten errichteten Denkmal an der Osterhuser Straße nicht weit von dem Bauernhaus entfernt, wo das grandiose Vertragswerk geschlossen wurde.

Qellen:
Osterhuser Accord (Übersetzung)
u. J. Ohling, Emden 1898
Emder- und Ostfriesenzeitung
Landesmuseum, J. Willms, Hinte
W. Schöningh, Geschichte der Stadt Emden 1970
Wikipedia, Enno III., 2010

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